ERÖFFNUNG | OPENING 
23. Oktober | 23 OCTOBER 2020 
14 - 19 Uhr | 2 - 7 pm


Was ist ein Tafelbild und wo sind seine Grenzen? Ab wann ist ein Maler auch Bildhauer? Oder umgekehrt? Und gibt das Bild nur vor ein Bild zu sein? Die Werke von Daniel Hauptmann (*1980 in Hamburg) werfen Fragen nach der Wahrnehmung von Authentizität, Künstlichkeit und Imitationen auf. Seine meist aus Materialien wie Styrodur und Glasfaser hergestellten Werke spielen mit unseren Wahrnehmungsmustern, mit Gegenständen und Materialien des Alltags, stellen aber auch die Frage, was ein Tafelbild und Malerei generell ausmacht.

 

Hauptmanns Werke sind hybride, materielle Geflechte, die wie Abdrücke, Fragmente, Schnitzereien oder visuelle Interpretationen von natürlichen Phänomenen wie Fossilien, Pflanzen, Hölzern oder Klängen erscheinen. Basierend auf digitalen Handy-Zeichnungen sind die Bilder der neuen Werkserie reduzierter, sowohl in der Komposition als auch im Duktus, der weniger expressiv, sondern überlegter und minimalistischer ist. Der Fokus liegt zunehmend auf der Linie, die sich bei manchen Bildern wie ein Wurm oder eine vergrößerte Mikrobe von der vermeintlichen Leinwand abhebt und sich monochrom getarnt in den Raum vordrängt. 

 

Aufgewachsen zwischen zwei Kulturen – seine Mutter ist Koreanerin, sein Vater Deutscher – war Daniel Hauptmann in seiner Kindheit in Hamburg umgeben von asiatischer Lebensart und koreanischen Einrichtungsgegenständen. Nicht nur der Gegensatz des westeuropäischen und ostasiatischen Konzepts von Schönheit, sondern auch die innerhalb der asiatischen Kultur liegenden Pole Natur und Künstlichkeit prägten ihn nachhaltig. Bei ihm treffen archaisch anmutende Holzschnitzereien in zünftigem Stammtisch-Braun und leuchtend orangefarbene Farbfeldmalerei mit kartografischer Einprägung und kaligrafischem Strich aufeinander sowie gelbe YumYum-Ramen-Nudeln auf Bilder in kontemplativem Weiß, das in das Ultraviolett einer kitschigen Auto-Unterbodenbeleuchtung abdriftet. Wie Yin und Yang (oder „Salz und Pfeffer“) sind sie einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene duale Kräfte oder Prinzipien, die sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen. 

 

 

Daniel Hauptmann studierte bis 2016 an der Hamburger Kunstakademie und lebt und arbeitet in Berlin. Dies ist die zweite Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie.





What is a panel painting and where are its limits? When does a painter become a sculptor? Or vice versa? And does the picture only pretend to be a picture? The works of Daniel Hauptmann (*1980 in Hamburg) raise questions about the perception of authenticity, artificiality and imitations. His works, mostly made of materials such as styrodur and fiberglass, play with our patterns of perception, with everyday objects and materials, but also raise the question of what constitutes a panel painting and painting in general.

 

Hauptmann's works are hybrid, material meshes that appear like imprints, fragments, carvings or visual interpretations of natural phenomena such as fossils, plants, woods or sounds. Based on digital cell phone drawings, the images of the new series of works are reduced, both in composition and in the style, which is less expressive but more deliberate and minimalist. The focus is increasingly on the line, which in some pictures stands out from the supposed canvas like a worm or an enlarged microbe, forcing its way into the room in monochrome camouflage. 

 

Growing up between two cultures - his mother is Korean, his father German - Daniel Hauptmann was surrounded by the Asian way of life and Korean furnishings during his childhood in Hamburg. Not only the contrast between the West European and East Asian concepts of beauty, but also the poles of nature and artificiality within Asian culture had a lasting effect on him. In his work, archaic-looking wood carvings in hearty regulars' table brown meet with bright orange color field painting with cartographic imprint and caligraphic stroke; yellow YumYum ramen noodles encounter pictures in contemplative white, which drifts into the ultraviolet of a kitschy car undercarriage illumination. Like yin and yang (or "salt and pepper"), they are opposing yet related dual forces or principles that do not fight each other, but complement each other. 

 

 

Daniel Hauptmann studied at the Hamburg Art Academy until 2016 and lives and works in Berlin. This is the artist's second solo exhibition at the gallery.