Ein Text von Alex Ruthner:




1. Titel

Der Titel FIREWORKS bezieht sich auf die reinigende Kraft des Feuers und wie das Datum der Eröffnung,

Freitag, der 13. September, auf einen Neubeginn.


2. Die Arbeiten

Die Ausstellung besteht aus zwei Bildgruppen, zum einen aus einer Serie überdimensionaler Blumenbou-

quets, zum zweiten aus einer Serie von Gruppendarstellungen, die im Einzelnen auf aktuelle

gesellschaftliche Entwicklungen und Diskurse Bezug nehmen. Die Malereien werden ergänzt von neuen

Objekten: Podeste, die zum Teil als Sitzgelegenheit genutzt werden können und die Präsentation

vervollständigen. 


3. Die Blumenbouquets

Die Natur, oder die Stilleben der Blumenbouquets symbolisieren den Zyklus der Metamorphose, das

Aufblühen von Schönheit und ihre Vergänglichkeit.

Die  zerzausten, wild arrangierten, in zweckentfremdete Gefäße gepressten, zarte botanische Subjekte

lassen sich in ihrer überquellenden Machart neu definieren, betrachten und beurteilen.

Für mich versteckt oder zeigt sich das Unheimliche und Gruselige nicht in absichtlich herbeigeführten,

erzeugten prekären Umständen, die dem klassischen Horror-Genre zugerechnet werden können. Gefühls-

mäßige Wahrnehmung von Dunkelheit, Nebel, heulendem Wind oder Kerzenschein gehört zum Standard-

Repertoire des Grauens wie Fantasiewesen in Form von Monstern, Zombies oder ähnlichen Bestien. Da

es sich bei solchen Kreationen aber eben „nur um eine Geschichte” handelt, verlieren die oberflächlichen

Drohungen und Einschüchterungsversuche schnell an Wirkung. Im Gegensatz zu einer billigen Geister-

bahn kann ein guter Horrorthriller schon schockieren, ist aber eben auch nach gut zwei Stunden vorbei.

Vielmehr offenbart sich der wahre Schrecken in der Norm des Alltags, seinen Ritualen und Bewohnern,

die vor unverrückbare Tatsachen stellen, ohne Aussicht auf Fluchtmöglichkeit. Auch hier meine ich nicht

ordinäre Hässlichkeit oder entgrenzte Gewalt, wobei der hinterlistige Verrat oder der geistlose Hass,

zweifellos die Türsteher der Erkenntnis des Wahnsinns der Normalität sind. Die Wurzel allen Übels stellt

der tagtägliche Trott dar, der Veränderung und Entwicklung mit allen auch noch so unredlichen Mitteln zu

hindern sucht.

Gleichzeitig, damit meine ich im selben Moment, augenblicklich blitzt aber auch die Schönheit und

Erhabenheit der Natur auf, die der Simplizität, der Pflanze, des Strichs, einer Rundung, eines Lichts, einer

Kombination, des Rauschen eines Windes, einer Stimme. Ganze Welten erhellen sich beim Anblick solch

schöner Geburten und die Wahrheit glänzt weit über dem Erfundenen und Gestohlenen.

Ohne zu wissen, woher diese auratischen Phänomene kommen oder warum diese so aussehen oder sind,

wie sie eben sind, empfinden wir diese Ereignisse als schön. 

Diese permanente Drehung, dieser Rhythmus des Luftholens und Abtauchen, des Licht-Ein- und

Ausschaltens auf subtiler Ebene zu erkennen und festzustellen ist so schwer, wie die Seite einer durch die

Luft wirbelnden Münze zubenennen. Ein Blatt, das vom Wind durch die Stadt getrieben wird, wendet sich 

seltener als die Laune der Natur. 


4.Die Gruppe der Gruppen

Eine Anzahl von historisierenden Alltagssituationen stellt das Gleichgewicht zu den Bouquets her, und 

umspielt die Gewalt der Pflanzenstilleben. Aus verschieden Quellen gespeist (Bild, Buch, Fotografie ,

Internet, Game) sind die upgedateten Sujets eine lagernde Familie in einem urbanen Park, eine

wienerische Sagenfigur, verworrenen und verwobene Figuren, und ein Selbstporträt in militärischer Haltung.


4.1. Die Fünf Sinne

Immer wenn Ich im Sommer spazieren bin, fallen mir die glücklichen Familien in den Wiesen auf – sie

grillen, spielen, rasten oder sonnen sich. Dieses Bild wird noch verstärkt durch die urbane Umgebung, die

Straßen, die Gebäude, den Verkehr, den Rauch der Lagerfeuer. Eine bedrückende Form der Idylle und 

Zeitlosigkeit umgibt die Wiesen, die Parks und die Erholungsgebiete. 


4.2. Du bist nicht wie die, du bist wie wir

Eine Band, unter sich, backstage. Instrumente, die gerade Pause haben. Ganz bewusst wähle ich oft

persönliche Gegenstände und Möbel, Atelierräume als Vorlage, um mich bewusst der nächstliegenden

Gegenstände zu bedienen. Die abgebildete Mariachi-Band, sich besprechend, textend, besingt die

Heldentaten von Verbrechern und subversiven Elementen der Gesellschaft. Diese von Mariachi-Bands 

komponierten Hymnen können auch in Auftrag gegeben werden.


4.3. Kom/Com

Komm mit, lauf weg! – ein Kinderspiel ähnlich dem „Fangen” – so könnte auch der Titel dieses Bildes

lauten. Conrad, ein Geschäft für Elektroteile, stellt die Kulisse dieses Gemäldes dar. Zwillinge bedienen 

die Desktop-Computer mittels Maus und Tastatur, umgeben von leeren Regalen, sie haben nichts in den

Händen. Der soldatische Aufzug sagt nichts über die Zugehörigkeit eines Regimes aus, lässt aber 

Organisation vermuten.

Elektronisch gesteuerte, in der Gegenwelt des World Wide Web (des „Netzes“) geplante und ausgeführte

Attentate auf Staatsfeinde oder unliebsame Dissidenten werden von den Planeten Beherrschenden einge-

setzt, um die Bevölkerung und die Untertanen in Schach zu halten und einzuschüchtern.

Wie die Verschwörungstheorie selbst treiben zwielichtige Gestalten ihr Unwesen und lehren ihren Feinden

das Fürchten.

Komm (englisch: com) ist die erste Silbe des Wortes Kommunikation (communication), aber auch der 

Kommune. Das Verbindende, ein nicht genanntes übergeordnetes Bewusstsein oder Wahrnehmungs-

system beherrscht diese kriegsähnliche Konsumszene. 

Ich schmückte die Administratoren mit Dior-Ohrclipsen, um ihnen etwas Feierliches zu verleihen, vielleicht 

auch etwas Freundliches.  


4.4. Stadt ohne Namen

Die Kurzgeschichten von H.P. Lovecraft sind eine wichtige literarische Grundlage zu meinen Arbeiten,

seine übersteigerten Horror-Visionen und die Hingezogenheit zur schwarzen Magie sind für mich fast eine

Art Humor - es geht um die Lesart von Situationen und deren Interpretation.

So treibe Ich den Wechsel des Aggregatzustands der verschieden gedanklichen Stadien voran, von Text 

zu Bild, von digitalem zu Realem, umgekehrt und sich selbst widersprechend. Jede der Arbeiten besitzt 

mehrere Deutungsweisen.


4.5. Weit überlegen

Als ich einmal wach war, erinnerte ich mich an die alte Geschichte, die vom lieben Augustin handelt. In

einer Zeit, in der die Pest wütete, sammelten die Totengräber in Wien die Pesttoten von den Straßen, die 

überall lagen und zu finden waren. Augustin, ohnmächtig vor Trunkenheit, wurde, für tot gehalten, mit auf 

den Leichenwagen geladen und in einem Massengrab außerhalb Wiens abgeladen. Das Grab, halbvoll, 

wurde noch nicht zugeschüttet. Als Augustin erwachte, fand er sich wieder mitten in einem Haufen von 

Toten, er, glücklich darüber, am Leben zu sein, begann zu singen und ließ sich vom erfahrenen Schrecken-

nicht die Laune verderben. Der Himmel, der die Welt symbolisiert und die Grube, die den Raum darstellt,

grenzen den Bildraum ein. Lose schwebende, träumende Figuren umreißen die Prinz-Eisenherz-hafte

Zentrumsfigur, die sich schüchtern orientiert. 


4.6. Prebseunty

“Dies ist der Spind des Rekruten Ruthner!” Die Präsentation der eigenen Ordnung erlernte ich während

meines Dienstes beim Militär, die Eigenartigkeit der militärischen Unterwürfigkeit wird noch erhöht durch

das Ablegen der eigenen Persönlichkeit. Man spricht stets von sich in der dritten Person, „Bitte” und 

„Danke” sagen ist streng verboten. 


5. Die Podeste, Laufsteg, Fireworks


5.1

Drei Podeste werden in der Raummitte platziert: Zwei einfache Podeste, die an Siegespodeste oder

Laufstege oder Bühnenelemente erinnern, und als Sitzgelegenheit dienen, auf denen der Zustellungs-

besucher Platz nehmen kann um die Gemälde zu betrachten. 


5.2

Ein Podest gleicher Machart und Höhe, das eine Skulptur trägt, die an einen antiken Scheiterhaufen

erinnert. Diese Skulptur wird zusätzlich von fünf Stehlampen aus nächster Nähe beleuchtet. Ein möglicher

Titel dieser Skulptur wäre „Quezalcoatl”, eine asketische Gottheit, dargestellt von einem Mischwesen,

einer gefiederten Schlange.

Archaische Rituale und lang versunkene Kulturen inspirierten mich zu diesem kleinen Altar, der verschied-

ene Items und Artefakte kredenzt, ähnlich indischer Totenverbrennung oder antik-ägyptischer Bestattung 

stellen sich die einzelnen Formen als Tiere, Alltagsgegenstände und menschliche Körperteile dar.

Ich überzog diese vorgefertigten Formen mit einem mesoamerikanischen Look, Mosaik-Mustern aus Glas

und Keramik, eine weitere Referenz waren antike pompejanische Mosaike und Schmuck aus der Eisen-

zeit. Die meist quadratische Form des Mosaiksteins elaboriert für mich mehreres: Nebst dem Bild oder 

Abbild selbst in all seinen gegenwärtigen Erscheinungsformen (Malerei, TV, Instagram, jpeg etc etc),

entsteht der Eindruck einer Aufspaltung des Geistes oder des kollektiven Bewusstseins in unzählige

Schrappelle. Ein weiter Titelvorschlag wäre: Sentinel. 



Philipp Haverkampf freut sich, Alex Ruthner, geboren 1982 in Wien, lebt und arbeitet in Wien, seine zweite

Einzelausstellung in der Galerie auszurichten.




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A text by Alex Ruthner:




1.  Title

The title FIREWORKS refers to the purifying power of fire and, like the show’s opening date, Friday the

13th of September, to a new beginning.


2. The works

The exhibition consists of two groups of images. One is a series of oversized flower bouquets and the

other is a series of group portraits that refer in detail to current social developments and discourse. The 

paintings are complemented by new objects which could be described as podiums, some of which can 

be used as seating and that complete the presentation.


3. The flower bouquets

Nature, here represented as the still-life of flower bouquets, symbolizes the cycle of metamorphosis, 

the blossoming of beauty and its transience.

The flowers are disheveled, wildly arranged, and forced into containers not intended for these purposes. 

Here, those delicate botanical subjects can be redefined, considered and judged.

For me, the weird and uncanny is not merely represented by the showing or withholding of references to 

the classic horror genre in constructed circumstances. Emotional perceptions of darkness, fog, howling 

wind or candlelight are part of the canon of horror as much as fantastical beings like monsters, zombies

or similar beasts are. However, since such creations are "just stories", the superficial threats and

intimidation factors quickly lose their effect. In contrast to a cheap haunted house, a good horror thriller 

can be shocking, but ends two hours later. The true terror here lies in the normality of everyday life, its 

rituals and its inhabitants, who must face the immutable facts of reality. This reveals itself without any

prospect of escape. Again, I do not mean ordinary ugliness or boundless violence, even if deceitful 

betrayal or mindless hate, undoubtedly  are instrumental in the realization of the madness of normalcy. 

The root of all evil is the daily routine that prevents change and development with all its might.

At the same time, and by that I mean at the same moment, there are flashes of beauty in the grandeur of

nature - simplicity, the plant, the stroke, a curve, a light, a combination, the sound of wind, a voice. Whole 

worlds brighten at the sight of such beautiful births, and the truth shines far above the fictional and the 

stolen. Without knowing where these auratic phenomena come from, or why they look the way they do or

are the way they are, we find them beautiful.

Recognizing and establishing this permanent state of rotation, this rhythm of gasping for air and diving 

back in, the subtle switching on and off of the light, is as difficult as identifying the side of a coin while its 

spinning.

A leaf, blown through the city by the wind spins less frequently than the whims of nature itself.


4.The group of groups

A number of everyday historical situations create balance among the bouquets and play around with the

violence of the botanical still lifes. Derived from different sources (pictures, books, photography, the inter-

net, games) its subjects include a family residing in an urban park, a Viennese legend, entangled interwo-

ven figures, and a self-portrait with a military pose.


4.1. The five senses

Whenever I go for a walk in the summer, I notice all the happy families in the meadows - having barbecues,

playing, resting or sunbathing. These images are further completed by perceiving the urban environment in

which they exist - the streets, the buildings, the traffic, the smoke of the campfires. A depressing sort of 

idyll and timelessness surrounds the meadows, the parks and areas of recreation. 


4.2. You are not like that, you are like us

A band, alone, backstage. Instruments that are currently in repose. I often choose personal items, furniture 

or studio rooms as a template to consciously make use of the objects I find most intuitive. The mariachi 

band portrayed here is discussing, writing, and singing the heroic songs of the criminal and subversive 

elements of society. These hymns composed by mariachi bands can also be commissioned.


4.3. Kom / Com

Come on, run away! a child's game similar to "catch"  -  could also be the title of this painting. The setting 

is Conrad, a German electronics store. It depicts twins using a desktop computer with a mouse and key-

board, surrounded by empty shelves, with nothing in their hands. The soldier-like camouflage outfits say 

nothing specific about an affiliation to a regime, but suggest some form of organization. Electronically

controlled attacks on enemies of the state or unpleasant dissidents planned and carried out in the secluded

world of the World Wide Web (the "Net") are used by the planetary rulers to keep the population and its 

subjects in check and to intimidate them. Like in all conspiracy theories, shady characters are at fault, 

instilling fear in their enemies.

Komm (English: com) is the first syllable of the word communication, but also of community. The conne-

ctive - an unspecified superior consciousness or system of perception - dominates this warlike 

consumerist scene. I decked the figures out with Dior earrings to give them something festive, maybe 

something friendly.


4.4. City without a name

The short stories of H.P. Lovecraft are an important literary foundation for my work. His exaggerated horror

visions and his attraction to black magic are almost humorous to me - it's about reading situations and 

their interpretations at once. So I push the limits of change through different elements and mental states - 

from text to image, from digital to real, and vice versa. Each work has several interpretations.


4.5. Far superior

Once upon waking, I remembered the old story of dear Augustin. At a time when the plague was raging,

the gravediggers in Vienna were collecting the bodies of victims scattered everywhere in the streets. 

Augustine, listless and drunk, was thought to be dead. He was taken to a hearse and dumped in a mass 

grave outside Vienna. The tomb was still only half full. When Augustine awoke, he found himself in the

midst of a pile of the dead. Still elated to be alive, he began to sing and did not let the horror of this

moment spoil the mood. 


The sky symbolizing the world and the pit representing the room create the boundaries of space within the

image. Dream-like figures loosely float around the Prince Iron Heart-esque character who poses shyly at 

the center.


4.6. Prebseunty

"This is the locker of private Ruthner!" I learned how to present my position during my military service. The

strangeness of military subservience is enhanced by the loss of your own personality. One always speaks 

of himself in the third person. Saying "please" and "thank you" is strictly forbidden.


5. The podiums, a catwalk, fireworks


5.1 

Three podiums are placed in the middle of the room: two simple podiums reminiscent of piers or catwalks

or stage elements serve as a seat on which the visitor can sit down to look at the paintings.


5.2 

A podium of identical design and height holds a sculpture reminiscent of an ancient pyre. This sculpture is

additionally lit at close range by five floor lamps. One possible title of this sculpture would be "Quezalcoatl,"

an ascetic deity represented by a hybrid creature - a feathered serpent.

Archaic rituals and long lost cultures inspired the creation of this small altar. The various items and artifacts

offered here evoke the Indian ritual of burning the dead, or ancient Egyptian burial practices, where the 

individual forms were represented as animals, everyday objects and human body parts.


I applied a Mesoamerican look to these prefabricated forms with mosaic patterns of glass and ceramic. 

Other references include ancient Pompeian mosaics and iron jewelry. The mostly square shape of the

mosaic stone means several things to me - in addition to the image in all its current manifestations 

(painting, TV, Instagram, jpeg etc), it creates the impression of splitting the mind or the collective 

conscious ness into countless pieces. Another title proposal would be: Sentinel.



Philipp Haverkampf is very pleased to host Alex Ruthner’s second solo exhibition in the gallery.

Alex Ruthner was born 1982 in Vienna and lives and works in Vienna.