Schnee: kalt und rein, ist er in unseren Breitengraden ein kurzweiliges Sediment, eine Ablagerung und Überdeckung, schnell vergänglich, dämpft und rundet er die Formen, schluckt den Schall, verzaubert unsere Welt.

Schicht um Schicht, kann er aber auch zu Eis erstarren, türmt sich zu Gletschern auf, begräbt und konserviert.

Erfahrungen sammeln sich Flocken gleich und legen sich Tag für Tag in unserem Gedächtnis ab. Sie werden überdeckt und sinken in die Tiefen. Wollen wir sie wieder aktivieren, suchen wir sie in Sprache zu fassen, oder setzen sie in Bilder frei.


Hirsig sieht seine Bilder in vager Form, den inneren Schnee aufwirbelnd, traumgleich. Um sie dingfest zu machen, wird die Farbe zuerst auf die Leinwand geschüttet - fließt, das Schleierhaft des Zufalls nutzend, formen sich erste Inhalte. Diese bieten ihm eine Angriffsfläche die Bilder heraufzubeschwören, sich auf der Leinwand kristallisieren zu lassen und in sich wiederholenden Prozessen von Überlagerungen langsam heraus zu schälen. 


Desastres: Fortwährende stroboskopartige eintreffende negative Meldungen, welche heute den Globus schwemmen, dominieren die Wahrnehmung der Welt als ein Ort der ständigen Bedrohung.

Es sind die Bilder, die man nicht sehen will und die uns aber doch immer wieder in ihren Bann ziehen. 

Hirsig führen sie zu einer Erinnerung in die Kindheit zurück, der alte Goya Bildband des Vaters,

die Desastres de la Guerra, Bilder, die auch damals schwer zu begreifen waren, aber denen ein Zauber und Geheimnis innewohnte. Die künstlerische Übersetzung dessen was uns nicht begreifbar scheint, aber doch den Mensch ereilen kann.


Heute, wenn der Lauf der Welt dem Künstler ein mattes Resignieren aufzwingt, wenn die Ratio den Gefühlen nicht mehr Herr werden will, dann ist es dieses Ringen mit der Farbe, auf der Suche nach einer Metapher für die sich immer wiederholende Geschichte, der ewigen Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, die bei Hirsig ihren positiven Ausdruck als Schnee von heute findet, der uns die Welt frisch verhüllt und verzaubert.  

 

Philipp Haverkampf freut sich mit Stefan Hirsig (*1966 in Berlin) ein Bild von einem Maler zeigen zu dürfen, der seit Mitte der 1990'er Jahre in einer Vielzahl von Ausstellungen zu sehen war und dessen neue Werke in der Zeit vom 1. Juli bis zum 2. September 2017 in der Galerie Haverkampf zu sehen sind. 



english version


Snow: cold and pure, in our degree of latitude it is an amusing sediment, a deposit and cover, quickly transient, dampens and rounds the forms, swallows the sound, enchants our world. Layer by layer, it can also freeze to ice, burrows to glaciers, buries and conserves. Experiences accumulate like flakes and lie down day by day in our memory. They are covered and sink into the depths. If we want to reactivate them, we look for them in language, or put them into pictures.


Hirsig views his pictures in a vague form. The inner snow whirling, dreamlike. To make them arresting, paint is first poured over the canvas – flowing, using the veil of chance, the initial content is formed. This offers the artist a working surface for conjuring up the images, allowing them to crystallise on the canvas, slowly letting them build in a repetitive process of layering.


Desastres: Continual stroboscope-like incoming negative messages, which today sweep the globe, dominate the perception of the world as a place of constant threat. They are the pictures that you do not want to see, but which always keep us under their spell. Hirsig leads us back to a childhood memory of his, the old Goya book of his father, the Desastres de la Guerra, images which were hard to comprehend even at that time, but which indwelled an enchantment and mystery. The artistic translation of which does not seem to us comprehensible, but which nevertheless can befall a person.


Today, when the course of the world imposes a dull resignation upon the artist, when rationality no longer wants to master its feelings, it is this wrestle with colour, in search of a metaphor for the ever-recurring story of eternal conflict between good and evil, which with Hirsig finds its positive expression as the snow of today, which gives us a fresh look and enchants the world.

 

Philipp Haverkampf is pleased to present with Stefan Hirsig (*1966 in Berlin) this great hunk of a painter who has been exhibited in a wide number of exhibitions since the mid 1990s and whose new works will be on view at Haverkampf Gallery from 1 July until 2 September 2017.