Bei Zeiten war das Bild im besten Fall ein Wunder. 


Heute können wir ersaufen in einem fortwährenden Strom von verfügbaren Bildern, die unsere Aufmerksamkeit bis hin zur Besinnungslosigkeit überstrapazieren. Nicht das „gefällt mir“ anklicken, sondern bitte die Löschtaste drücken, den Kopfinhalt einmal in den Mülleimer entleeren. 

Ist das Vergessen können nicht eine großartige Erfindung unseres Gehirns?


Das Bild, welches dem Betrachter seit Bilderbeginn als Objekt entgegentrat, muß fortwährend Platz machen für den endlosen Strom an digitalen Bildern, die in der schieren Masse und ihrer unterwürfigen Anwesenheit jederzeit wieder weggewischt werden können, denen jedes Gewicht fehlt, und die sich flugs in endlosen Haufen der Datenwolken verlieren.


Anna Grath (*1983) “Kumulus Virga” die Wolken ziehen am Himmel, das Bild als Fenster in die Welt, ist auf den Vorhang gedruckt. Die Grenze die er zieht, löst er zugleich wieder auf. Es ist als würde man in eine andere Dimension fallen und darf hoffen, das die Wolken nicht Daten, sondern Ideen für uns in sich tragen.

Währenddessen steht der Leuchtkasten “Squish” behäbig am Boden. In dem Überbleibsel aus der analogen Bilderwelt, unplugged, zeigen sich Fasern eines Teppichs und ein Fleck, viel großflächige Bildinformation, die sich uns redundant und sperrig in den Weg stellt. Der Lichtkasten, rätselhafterweise abgestellt, seiner ursprünglichen Funktion enthoben, erfüllt seinen Zweck nicht mehr und wird zum Relikt einer vergehenden Zeit. 


Carl Mannov (*1990) wir sind Gefäße. Wolkengleich paaren sich ein Torso und ein Sitzkissen. Der Brustkorb ist gebläht, jeder Muskel proper definiert, ein Über-Six-Pack. Die Wiederholung der Formen gleicht einer Reise durch die Zeit, ein formaler Loop mit einem Augenzwinkern.


Der Kopf des bärtigen Mannes, neben dem Mülleimer, das formale Schattenspiel findet hier einen prägnanten Ausdruck. Das Ansammeln und das Vergessen, endlose Akkumulation von Information im digitalen Äther, endlose Korrelationen die ein weites Wissen suggerieren, aber am Ende unseren Horizont einschränken. 


Stephen Kent  (*1985) nutzt den Pixel in seiner frühsten Form, dem Mosaiksteinen. Der Punkt materialisiert sich, wird geerdet und wird mit einem trivialen digitalem Schnappschuss verwoben.

Alltäglichkeiten aus der Sammlung des Telefonspeichers -  entbehrliche Momente - stehen dem dem arbeitsamen Prozess der Erstellung des Mosaiks entgegen.


Gestische Malerei von Kent ausgeführt, erstarrt in Gips und spricht, mehrfach reproduziert, über die Banalität des Bildinhaltes und die einfache technische Verfügbarkeit zur Bildproduktion für Jedermann. Kent verwischt die Linie zwischen Objekt und Tafelbild, egal ob belanglos oder heilig.


Öffnungszeiten: Mittwoch – Freitag 11 – 18 Uhr, Samstag 11 – 16 Uhr und nach Vereinbarung



english version


In the best cases, in earlier times pictures were miracles.


Today, we can drown in a continuous maelstrom of available pictures that over-exercise our attention to the point of unconsciousness. Don’t click “like,” just press the delete button, empty the content of your head into the trash. 

Isn’t the ability to forget a splendid invention of our brain? 


Since the beginning of pictures the beholder encountered them as objects, but now they have to may way for the endless stream of digital images, which in their sheer mass and their subservient presence can be swiped away at any time, as they lack weight, and in a  moment can be lost in the endless heaps of the data clouds. 


Anna Grath (*1983) Kumulus Virga: the clouds are floating on the sky, the picture as a window onto the world is printed on a curtain. It draws a border and dissolves it at the same time. It is as if we were falling into a different dimension, and we may hope that the clouds don’t just carry data, but ideas for us.   

Meanwhile, the light box Squish stands on the floor in a portly fashion. This remnant from the analog world, unplugged, displays fibers of a carpet, and a spot, a lot of expansive pictorial information that blocks our way in a redundant and bulky manner. The light box, puzzlingly placed here, stripped of its original function, does not fulfill its purpose anymore, and is becoming a relic of a passing time. 


Carl Mannov  (*1990) We are vessels. Like clouds, a torso and a seat cushion mate. The ribcage is expanded, every muscle properly defined, an über six-pack. The repetition of shapes is a like a journey through time, a formal loop to be taken with a grain of salt. 


The head of the bearded man, next to the trashcan, the formal shadow play finds succinct expression here. Gathering and forgetting, endless accumulation of information in the digital ether. Endless correlations suggesting broad knowledge, but actually in the end limiting our horizon.


Stephen Kent (*1985) uses the pixel in its earliest form: the mosaic piece. The point materializes, is grounded, and interlaced with a trivial digital snapshot.

Quotidian images from the memory of a phone—expendable moments—are contrasted with the laborious process of creating a mosaic.


Gestural painting, executed by Kent, solidified in plaster and repeatedly reproduced, speaks of the banality of the pictorial content and the easy technical availability for producing images. Kent convolutes the roles of object and image, regardless of whether it is banal or sacred. 



Opening hours: Wednesday – Friday 11 am – 6 pm, Saturdays 11 am – 4 pm and by appointment