Der Vorhang ist schon öfter vor der Malerei gefallen: Ende, ausgereizt.


„Der mit dem ersten malerischen Strich eingeleitete Prozess zeichnet sich durch wiederholte Krisen aus. Krise, wie sie die antiken griechischen Philosophen 

verstanden haben, ist ein Augenblick, der eine Entscheidung erforderlich macht. 

Um diese Entscheidung treffen zu können, befragten die alten Griechen das Kriterion, eine Institution, die ihnen in ihren Entscheidungen half, … . Heute 

bedeutet der Begriff Kriterium allgemein einen Wertmaßstab. Aber sein Ursprung in der Krise deutet immer noch auf die enge Verknüpfung des Kriteriums 

mit dem Zustand der Unentschlossenheit, der Suche nach Wertmaßstäben hin, die Krise bedeuten.“ * Noemi Smolik


In dem Bild GENIE OUT OF THE BOTTLE könnten grade Vorhänge von links und rechts über das Bild gezogen werden: Ende, das Bild wird weggewischt, 

ausgeblendet und abgedeckt.  Aber hier wird kein Endpunkt markiert. Seit der Geist der Malerei vor einer Ewigkeit aus der Flasche gelassen worden ist, wird 

er sich immer wieder entfalten. Die Malerei ist ein ergiebiger Bereich der Bildproduktion, dem digitalen Zeitalter zum Trotz, welches mit seiner Gleichmacherei 

in die totale Langweile führt. 


Das Anregende an der Kunst bleibt, dass sie sich in Räume begibt, die nicht definiert sind, dass wir Wertmaßstäbe abwägen müssen. Wer den Weg schon 

vorher kennt, betritt schnell toten Raum. Aber hier bewegt sich einer, technisch leichtfüßig, auf der Suche dem Unergründlichen eine Form zu geben. Uns in

 den Bann zu ziehen und uns einen Weg zu ebnen, zur „Wahrnehmung der Welt als Gedanke und spirituelles Erlebnis, was in der europäischen Kunst mit den Landschaftsdarstellungen Joachim PatiniertEnde des 15. Jahrhunderts einsetzte. Damals begann der Flame den Horizont mit blauem Dunst zu füllen. Die so 

hervorgerufenen Unschärfe erzeugt eine Verschmelzung von Himmel und Erde und bewirkt, dass das Naturerlebnis bis an die Grenzen des bedrohlich 

Ungewissen gesteigert wird. Dieses Ungewisse und Unheimliche, das hinter dem Erhabenen aufleuchtet, wird in der deutschen Kunstgeschichte bis zu den 

abstrakten Farbmeditationen von Günther Förg tradiert.“ * Katja Blomberg


So pendeln Kompatscher's Bilder zwischen Tradition und aktuellen Phänomenen der Malerei, als auch der Wahrnehmung von Bildern im allgemeinen und 

 stoßen den Betrachter hoffentlich an, sich dem Bildereinerlei zu entziehen, die Gleichschaltung zu unterwandern und gemeinsam neue Räume zu erobern.



Philipp Haverkampf freut sich FLORIN KOMPATSCHER (*1960 in Bozen, lebt und arbeitet in Berlin), seine erste Ausstellung in der Galerie Philipp Haverkampf auszurichten.



english version


The Curtain has been pulled in front painting a couple of times: The end, maxed out.


„The process of painting duly initiated with the first brush stroke is characterized by repeated crisis.

Crisis, as the ancient Greek philosophers understood it, is a moment that insists upon, indeed demands, a decision. In order to be able to make this decision

the ancient Greeks consulted the criterion, an 'institution' which helped them in their decision making,... . Nowadays, the word criterion is used in general to

mean a standard or yardstick. However, its origin in 'crisis' still indicates the close connection between the criterion per se and the condition of being indecisive

– the search for standards for judgment – which are indicative of crisis.“ * Noemi Smolik


It appears as if curtains might have been pulled from left and right to cover the painting GENIE OUT OF THE BOTTLE: The End, the image is being wiped off, 

faded out. But it isn't a final point which is being set here. The Genie of painting has been released from its bottle an eternity ago and will unfold and circulate

again and again. Painting is a productive field of image production, despite the digital area, which leads us into total boredom, due to it's egalitarianism.


The stimulation within art is to enter undefined areas and to evaluated values and standards. The one who knows where to go, easily enters a dead area. But 

here a skillful painter is moving forward searching to find forms of the incomprehensible and to pave a way towards „The Perception of the world as an idea and 

spiritual experience, which finds its first impression in European art towards the end of the fifteenth century in the form of Joachim Patinier's landscape paintings. 

At that time, the Flemish painter began filling up the horizon with blue mist. The imprecise focus thus evoked creates a fusion of heaven and earth, with the 

effect that the experience of nature is intensified to the very limit of the menacingly uncertain. This sense of the uncertain, the uncanny, which shines through the 

sublime, has a tradition in the history of German art stretching all the way to the abstract meditations on colour by Günter Förg. * Katja Blomberg


Kompatschers artworks are oscillations between traditional and contemporary phenomenas and perception of painting.  Seeking to  animate the viewer to 

escape monotonous image streams and inforced conformity, they usher one, instead, into new spaces.



Philipp Haverkampf is pleased to present the first solo exhibition of FLORIN KOMPATSCHER (*1960 in Bozen, lives and works in Berlin), at Philipp Haverkampf Gallery.